Konzeptionalisierung einer vierwöchigen berufsqualifizierende Weiterbildung für die Altenpflege

Im Bereich der stationären Altenpflege sind tiefgreifende Veränderungen von Strukturen erkennbar. Hochaltrigkeit, Chronizität von Erkrankungen und Multimorbidität  lassen die Belastungen der Mitarbeiter bei Pflegediensten und in stationären Einrichtungen anwachsen. Ein großer Anteil alter Menschen stirbt in Institutionen. Um dieser Entwicklung im Bereich der Altenpflege qualifiziert entgegen zu treten, wurde von Meike Schwermann und Markus Münch im Frühjahr 2003 eine berufsbegleitende Weiterbildung mit dem Titel: „Palliative Geriatrie“ an der Fachhochschule Münster konzipiert.  Die 160 Stunden umfassende Weiterbildungsmaßnahme vermittelt ein holistisches Betreuungskonzept für chronisch kranke, schwer demente und sterbende Hochbetagte auf der Basis grundlegender Kompetenzen im Bereich der Palliativen Geriatrie. Seit November 2003 konnte sie im ersten Zyklus mit vier Moduleinheiten am Erwin-Stauss-Institut (www.erwin-stauss-institut.de) in Bremen implementiert werden.

Der Schwerpunkt der Weiterbildung basiert darauf, die Teilnehmer nach Beendigung der 160 Stunden umfassendenden berufsqualifizierenden Maßnahme dazu zu befähigen, die hospizliche Arbeit in die Altenheime und ambulanten Dienste insoweit zu integrieren, dass die Institutionen ganz eigene Versorgungsstrukturen und pflegerische Konzepte speziell auch im palliativ-geriatrischen Bereich beherbergen können. Ein grundlegendes Ziel ist es dabei, ein hohes Maß an Lebensqualität für den sterbenden hochbetagten Menschen, seine Familie, Angehörige und Freunde zu ermöglichen.

Pflegewissenschaftliche Fundierung der Weiterbildung

Die Basis der Weiterbildungsform stützt sich auf die Fokussierung der Grundlagen des Palliativgedankens und den theoretischen Elementen der „Themenzentrierten Interaktion“ von Ruth Cohn (1973), dem konzeptionellen Pflegemodell „Interpersonale Beziehungen in der Pflege“ von Hildegard Peplau (1995) sowie für die Praxisaufträge zwischen den Moduleinheiten auf den Ansatz des „Situierten Lernens und Pflegekompetenz“ von Elisabeth Holoch (2002). Die Intention der Weiterbildung liegt in der Entwicklung einer beruflichen Handlungskompetenz der Pflegefachkräfte für eine ganzheitliche, authentische, patienten- und angehörigenorientierte Sterbebegleitung in der Altenpflege begründet. Damit Pflegekräfte diesem Anspruch gerecht werden können, sollten sie grundsätzlich offen sein für eine individuelle, kreative und symptomorientierte Pflege, die durch die Organisationsentwicklung der Institution getragen und unterstützt werden muss.

 

Aufbau der Moduleinheiten

Der chronologische Aufbau der vier Module setzt sich wie folgt zusammen:

1. Woche: Orientierung – Begegnung mit sich selbst und mit den Sterbenden

2. Woche: Erkennen und Handeln auf der Grundlage individueller Bedürfnisse: Wir-Prozess in der   Sterbebegleitung

3. Woche: Das Ganzheitliche Betreuungskonzept – Kommunikation und Koordination aller Beteiligten

4. Woche: Eine hohe Kunst – Das Loslassen

  • Erweiterung der beruflichen Handlungskompetenz
  • Für eine ganzheitliche, authentische, patienten- und angehörigenorientierte Sterbebegleitung werden die Teilnehmer unter anderem zu folgenden Handlungen befähigt:

    • Wahrnehmung und Beobachtung der Bedürfnisse Sterbender
    • Beurteilung von Schmerzen und kompetente Durchführung einer angeordneten Schmerztherapie
    • Fachgerechte Kontrolle von Symptomen und deren Linderung
    • Psychosoziale Betreuung von Sterbenden und ihren Angehörigen
    • Kommunikation zwischen allen Berufsgruppen, die am ganzheitlichen Betreuungskonzept beteiligt sind
    • Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Sterbesituationen und deren Konsequenzen für professionelles Handeln
    • Einbeziehung rechtlicher, kultureller, ethischer und spiritueller Aspekte in das ganzheitliche Betreuungskonzept
    • Nutzung von Entlastungsmöglichkeiten (z.B. Coaching, Supervision etc.) im zukünftigen Arbeitsalltag
    • Integration einer systematischen Angehörigenarbeit
    • Grundlagen eines Betreuungskonzeptes für die Sterbebegleitung demenziell erkrankter Menschen

    Arbeits- und Lernformen

    Die Weiterbildungsmaßnahme geht von Arbeitsrealitäten Pflegender aus. Dabei sollen unterschiedliche Sterbesituationen dargestellt und durch theoretische Erkenntnisse und praktische Erfahrungen ergänzt werden. Vorgesehen sind Arbeits- und Lernformen in Gestalt von Kurzvorträgen und Impulsreferaten, Workshops zur gemeinsamen Erarbeitung von Inhalten, Groß- und Kleingruppendiskussionen, Rollenspiele, Analyse von Videosequenzen, Reflexion von Arbeits- und Gruppenprozessen, Fallbesprechungen sowie Exemplarisches Erarbeiten von Handlungsstrategien.

    Qualifikation der Referenten und Referentinnen

    Um die Interdisziplinarität  des Themas transparent zu machen, werden die einzelnen Seminartage von Dozenten aus verschiedenen Disziplinen vermittelt. Dazu zählen ein Supervisor und Coach, ein Arzt für Schmerzmedizin, eine Pflegefachkraft „Palliative Care“, ein Jurist, eine Pflegewissenschaftlerin und eine ehrenamtliche Mitarbeiterin aus dem Hospiz.

    Herr Münch (markusemuench@web.de) (Krankenpfleger, Stud. Pflege) und Frau Schwermann (Fachkrankenschwester, Diplom-Sozialwirtin) übernehmen ebenfalls einige Seminareinheiten und begleiten und evaluieren kontinuierlich die Inhalte der anderen Dozenten.

    Schlussfolgerung

    Die Weiterbildungsmaßnahme geht von Arbeitsrealitäten Pflegender aus. Die Erarbeitung und Vermittlung der interdisziplinären Inhalte wird dabei durch sehr qualifizierte Referenten aus verschiedenen Berufsgruppen unterstützt.

    Eine kontinuierliche Begleitung und Evaluation der Moduleinheiten sowie der Praxisaufträge erfolgt durch Frau M. Schwermann und Herrn M. Münch.

    Nach Abschluss der 160 Stunden umfassenden Weiterbildung sind die Teilnehmer durch die Ausbildung grundlegender Kompetenzen im Bereich der Palliativen Geriatrie dazu befähigt, ihre Einrichtung bei der Implementierung einer holistischen Sterbekultur zu unterstützen.

    Konkrete Termine weiterer Zyklen der vierwöchigen berufsqualifizierenden Weiterbildungsmaßnahme sind zu erhalten unter:

    Erwin-Stauss-Institut  | Außer der Schleifmühle 4 |  28203 Bremen,

    Tel.: 0421/3387923 |  e-mail: esi-bremen@t-online.de

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